Podcast "BredowCast"

Wir erforschen was mit Medien.

Der Podcast des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung.

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Von

Daniela Friedrich

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Elon Musks Twitterübernahme: Folgen für die Wissenschaft

Jan-Hinrik Schmidt spricht im BredowCast über Elon Musks Twitterübernahme und was dies für Wissenschaftler*innen und Medienforschung bedeuteten könnte.

Nur 10 Prozent der Deutschen benutzen Twitter regelmäßig, dennoch schlägt die Übernahme der Plattform durch Unternehmer Elon Musk hohe Wellen. Jan-Hinrik Schmidt erklärt die Aufmerksamkeit, die dieser Unternehmensnachricht aktuell zuteilwird, so: „An Nutzer*innenzahlen gemessen mag Twitter unbedeutend erscheinen, die Plattform hat aber entscheidende Relevanz. Die Plattform verlängert publizistische Öffentlichkeit an einer wesentlichen Stelle. Es bietet Resonanzraum für Themen auf der politischen Agenda und einen Vorfeldraum, der Themen überhaupt erst auf die politische Agenda bringt.“  Twitter in der Wissenschaft  Für die Wissenschaft ist Twitter ein besonders interessantes Thema. Zum einen ist die Plattform unter Forschenden ein beliebtes Tool zum Netzwerken und zur Kommunikation ihrer Arbeit, zum anderen ist Twitter auch beliebtes Forschungsobjekt, da sich über Twitter-Daten beispielsweise politische Diskurse erforschen lassen. Die Plattform bietet, im Gegensatz zu den meisten anderen sozialen Netzwerken, der Wissenschaft großflächigen Zugang zu seinem bis ins Jahr 2006 zurückreichende Archiv über alle jemals geposteten Tweets. Mit aus diesem Archiv gewonnen Daten forscht auch das HBI in einigen Projekten.   Wie der neue Twitterchef diesen „Academic Access“ handhaben wird, ist unklar. Dass er ihn komplett schließen würde, kann sich Jan-Hinrik Schmidt nicht vorstellen. „Plausibel erscheint mir, dass er die Wissenschaft zur Kasse bittet und den Zugang zum Archiv nur gegen Bezahlung gewährt.“  Twitter-Alternative Mastodon  Die in Deutschland gegründete Plattform Mastodon hat es plötzlich vielen angetan und wird als „Twitter-Alternative“ gehandelt. Auch Jan-Hinrik Schmidt ist seit Musks Twitterübernahme dort aktiv. Für die Wissenschaft und ihre Kommunikation werde relevant sein, wo die Zielgruppen sind, die sie erreichen möchte. „Sollte es tatsächlich zu Massenabwanderungen zu Mastodon kommen, ist es natürlich sinnvoll, als Wissenschafler*in bzw. wissenschaftliche Institution, auch dorthin zu ziehen.“

Erschienen: 25.11.2022
Dauer: 00:43:27

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Elon Musks Twitterübernahme: Folgen für die Wissenschaft

Jan-Hinrik Schmidt spricht im BredowCast über Elon Musks Twitterübernahme und was dies für Wissenschafler*innen und Medienforschung bedeuteten könnte.

Nur 10 Prozent der Deutschen benutzen Twitter regelmäßig, dennoch schlägt die Übernahme der Plattform durch Unternehmer Elon Musk hohe Wellen. Jan-Hinrik Schmidt erklärt die Aufmerksamkeit, die dieser Unternehmensnachricht aktuell zuteilwird, so: „An Nutzer*innenzahlen gemessen mag Twitter unbedeutend erscheinen, die Plattform hat aber entscheidende Relevanz. Die Plattform verlängert publizistische Öffentlichkeit an einer wesentlichen Stelle. Es bietet Resonanzraum für Themen auf der politischen Agenda und einen Vorfeldraum, der Themen überhaupt erst auf die politische Agenda bringt.“  Twitter in der Wissenschaft  Für die Wissenschaft ist Twitter ein besonders interessantes Thema. Zum einen ist die Plattform unter Forschenden ein beliebtes Tool zum Netzwerken und zur Kommunikation ihrer Arbeit, zum anderen ist Twitter auch beliebtes Forschungsobjekt, da sich über Twitter-Daten beispielsweise politische Diskurse erforschen lassen. Die Plattform bietet, im Gegensatz zu den meisten anderen sozialen Netzwerken, der Wissenschaft großflächigen Zugang zu seinem bis ins Jahr 2006 zurückreichende Archiv über alle jemals geposteten Tweets. Mit aus diesem Archiv gewonnen Daten forscht auch das HBI in einigen Projekten.   Wie der neue Twitterchef diesen „Academic Access“ handhaben wird, ist unklar. Dass er ihn komplett schließen würde, kann sich Jan-Hinrik Schmidt nicht vorstellen. „Plausibel erscheint mir, dass er die Wissenschaft zur Kasse bittet und den Zugang zum Archiv nur gegen Bezahlung gewährt.“  Twitter-Alternative Mastodon  Die in Deutschland gegründete Plattform Mastodon hat es plötzlich vielen angetan und wird als „Twitter-Alternative“ gehandelt. Auch Jan-Hinrik Schmidt ist seit Musks Twitterübernahme dort aktiv. Für die Wissenschaft und ihre Kommunikation werde relevant sein, wo die Zielgruppen sind, die sie erreichen möchte. „Sollte es tatsächlich zu Massenabwanderungen zu Mastodon kommen, ist es natürlich sinnvoll, als Wissenschafler*in bzw. wissenschaftliche Institution, auch dorthin zu ziehen.“

Erschienen: 16.11.2022
Dauer: 00:43:27

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Influencer: Ihr Erfolg bei jungen Menschen

Leonie Wunderlich weiß, wie Jugendliche und junge Erwachsene es mit Influencern halten. Im BredowCast erzählt sie über eine Studie, die junge Menschen zu ihren Nutzungsmotiven befragte.

Was ein „Influencer“ eigentlich ist, darüber ist die Wissenschaft noch nicht einig. Leonie Wunderlich wollte in der „Use-the-News“-Studie u.a. herausfinden, wie Jugendliche selbst den Begriff definieren „Die Perspektive von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat einfach gefehlt im wissenschaftlichen Diskurs über diese Personengruppe“, sagt Leonie Wunderlich. Influender, so das Ergebnis der Studie, seien in ihren Augen vor allem jene Social-Media-Persönlichkeiten, die mit Werbung ihr Geld verdienten. Vier Typen der „Social Media Content Creators” In der qualitativen Studie ging es aber nicht nur um Influencer, die nur eine Untergruppe sogenannter „Social Media Content Creators“ darstellen, die Inhalte auf Social Media zur Verfügung stellen. Auch die Angebote vieler weiterer Aktuerinnen und Akteure im Netz erfüllen bestimmte Bedürfnisse von jungen Leuten und dienen auch zur politischen Meinungsbildung. Vier verschiedene Typen von „Social Media Content Creators“ haben die Befragten genannt, bei denen mal eine oder mehrere Personen im Fokus stehen, mal Themen bzw. Inhalte. Nutzungsmotive Welche Motive haben Jugendliche und junge Erwachsene haben, bestimmten Social-Media-Persönlichkeiten zu folgen? Sechs verschiedene Motive konnte die Studie ausmachen. Sie reichen von Unterhaltung über das Herstellen sozialer Nähe bis zum Vermitteln von Inspiration, Orientierung und Wissen oder der Befähigung, mitreden zu können. Junge Erwachsene mit vorrangigem Bedürfnis nach Wissen wenden sich stärker Inhalte-fokussierten Angeboten zu, während Jugendliche eher zu Personen-fokussierten Kanälen neigen, von denen sie sich Identifikation und Orientierung versprechen.  Die befragten Jugendlichen sehen Influencer durchaus kritisch, etwa wenn es um die Frage der Unabhängigkeit bei werbefinanzierten Anbietern geht oder um die Kompetenz, wenn sich reichweitenstarke Social-Media-Persönlichkeiten zu komplexen politischen Sachverhalten äußern.

Erschienen: 27.10.2022
Dauer: 00:37:44

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Journalismus und sein Publikum

Louise Sprengelmeyer und Julius Reimer erforschen, welche Beziehungen Journalist*innen zu ihrem Publikum pflegen. Sie erkennen elf verschiedene Beziehungstypen.

Das Verhältnis von Journalismus zu seinem Publikum hat sich durch die digitalen Medien sehr verändert. Während Journalisten und andere Medienschaffende ihr Publikum einst noch als anonyme Blackbox wahrnahmen, in die sie hineinsendeten und aus der selten etwas zurückkam, hat das Publikum heute ein klareres Gesicht. Auf diversen Plattformen sind Journalist*innen in oft permanentem Austausch mit ihren Leser*innen, Hörer*innen oder Zuschauer*innen, die in Echtzeit kommentieren, loben oder anprangern und dadurch Einfluss nehmen auf die Berichterstattung. „Noch ist nicht ausgehandelt, was der Journalismus in dieser Beziehungspflege leisten kann, soll oder muss“, sagt der Journalismusforscher Julius Reimer. „Muss er sich mit dem Publikumsfeedback in all seiner Fülle auseinandersetzen? Muss er die Anschlusskommunikation an journalistische Beiträge mitmoderieren oder sie sogar anstoßen?“ Forschung über Journalismus-Publikums-Beziehungen Gerade deshalb sei es auch so spannend, dass die Forschung sich der Journalismus-Publikums-Beziehung annimmt. „In ihrer Betrachtungsweise ist sie differenzierter geworden“, sagt Louise Sprengelmeyer, „auch deshalb, weil heute ganz einfach die Möglichkeit besteht, das Publikum in seiner Vielfältigkeit und seinen unterschiedlichen Erwartungen überhaupt wahrzunehmen“. In ihrer Journalismus-Publikums-Studie haben Louise Sprengelmeyer und Julius Reimer qualitative Interviews mit über fünfzig Journalist*innen aus unterschiedlichen Mediengattungen und Fachrichtungen in Deutschland geführt und sie über ihre Erfahrungen im Umgang mit dem eigenen Publikum befragt. Elf verschiedene Beziehungstypen konnten sie unterscheiden.

Erschienen: 08.09.2022
Dauer: 00:40:23

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Medien im Gefängnis

Anne Kaun, Professorin an der Universität Södertörn und Gastforscherin am HBI, erforscht, wie Medien im Gefängnis funktionieren

Orte zu untersuchen, an denen es nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu Medien gibt, war Anne Kauns anfängliche Forschungsidee. Schnell landete sie mit dieser Idee beim Ort Gefängnis. Nicht nur klassische Medien, wie Zeitung, Radio, Fernsehen und das Internet, nahm sie dort in den Blick, sondern auch etwas, was man im ersten Moment vielleicht gar nicht als Medium begreift: den Raum selbst. Architektur als Medium „Die Art wie Räume strukturiert sind, kann entweder Kommunikation ermöglichen oder sie unterbinden. In Gefängnissen wird dies sehr deutlich“, sagt Anne Kaun. In den letzten hundert Jahren haben Gefängnisse in dieser Hinsicht jedoch eine Wandlung erfahren. Während man Ende des 19. Jahrhunderts noch auf Isolation als Teil der Strafmaßnahme setzte und Insass*innen weitestgehend von der Außenwelt und voneinander fernhielt, gibt es heute meist eine weitaus „kommunikativere“ Gefängnisarchitektur mit Gemeinschaftsräumen sowie Zugang zu Medien wie Fernsehen, Tonträgern oder Literatur. Digitalisierung In US-amerikanischen Gefängnissen sind digitale Medien wie Tablets mittlerweile verbreitet. In Europa ist man diesbezüglich noch skeptisch. Digitalisierung bietet zwar unmittelbare Vorteile für Insass*innen, jedoch hat sie auch negative Auswirkungen. Es gebe Vollzugseinrichtungen in den USA, weiß Anne Kaun zu berichten, in denen Videotelefonie die klassischen Besuchszeiten nunmehr vollständig ersetzt hätten – aus Kostengründen. Spiegel der Gesellschaft Neuerungen in Gefängnisinfrastrukturen lösen oft moralische Debatten innerhalb der Gesellschaft aus. Zum Beispiel darüber, wann eine Strafe „Strafe genug“ sei. „Gesellschaftliche Diskurse werden im Gefängniskontext auf die Spitze getrieben“, sagt Anna Kaun. „Sie sind daher ein Spiegel unserer Gesellschaft.“

Erschienen: 03.08.2022
Dauer: 00:44:28

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Praktiken der Aneignung von Vergangenheiten

Barbara Christophe und Hans-Ulrich Wagner beschäftigen sich im Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“ damit, wie Menschen Bezüge zur Vergangenheit herstellen. Sie beobachten dazu den Geschichtsunterricht in der Schule, aber auch Memes.

Barbara Christophe und Hans-Ulrich Wagner beschäftigen sich im Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“ damit, wie Menschen Bezüge zur Vergangenheit herstellen. Sie beobachten dazu den Geschichtsunterricht in der Schule, aber auch Memes und Social-Media-Projekte. „Praktiken der Aneignung von Vergangenheiten“ – hinter dieser sperrigen Formulierung steckt ein durchdachtes Konzept. Der Begriff der Aneignung lasse sich besonders gut in Bezug auf die Auseinandersetzung mit Vergangenheit anwenden, sagt Dr. habil. Barbara Christophe vom Leibniz-Institut für Bildungsmedien. „Er impliziert eine Begegnung zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Man nimmt etwas zunächst Fremdes und passt es der eigenen Lebenswirklichkeit an. Dadurch verändert man nicht nur das Fremde, sondern natürlich auch sich selbst.“ Genau dies geschehe nämlich bei der Bezugnahme auf Vergangenheit. Ähnlich einer Reise in ein fremdes Land muss der- oder diejenige, der/die sich mit Vergangenheit auseinandersetzt, die jeweiligen Werthorizonte der Menschen – hier: in der Vergangenheit – verstehen. Der Blick auf die Vergangenheit richtet sich jedoch immer von einem konkreten Standpunkt in der Gegenwart aus. Ein spezieller Fokus entsteht. „Darum ist der Begriff ‚Aneignung‘ so spannend“, sagt Barbara Christophe. „Man kann fragen: Welche Aspekte der Vergangenheit eignet sich jemand an und warum? Worauf werden bei der Auseinandersetzung mit Vergangenheit die Akzente gelegt?“ Diesen Fragen ist Christophe in einer Feldstudie im Geschichtsunterricht verschiedener Berliner Schulklassen nachgegangen und konnte dort beobachten, dass die unterschiedlichen Standpunkte, von denen aus die Schüler*innen auf beispielsweise den Kalten Krieg blicken, von den Lehrkräften nicht immer mitgedacht wird. „Was für eine Geschichtslehrerin selbstverständlich ist, muss für einen fünfzehnjährigen Schüler noch lange nicht selbstverständlich sein.“ Aneignung von Vergangenheiten in Online-Kommunikation „Vergangenheit hat Konjunktur und wir beobachten regelmäßig, wie Menschen sich auf sie beziehen“, sagt Dr. Hans-Ulrich Wagner. Als Beispiel nennt er etwa den Umgang in Sozialen Medien mit „Jana aus Kassel“, einer jungen Frau, die sich auf einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl verglich. Dieser historische Vergleich wurde im Internet spielerisch aufgegriffen. Innerhalb kürzester Zeit kursierten eine Vielzahl an Memes die „Jana aus Kassel“ und ihre eigenwillige Bezugnahme auf eine historische Person ironisch konterkarierten. Eine spezielle Form der „Aneignung“ sieht Hans-Ulrich Wagner im vieldiskutierten, öffentlich-rechtlichen Instagram-Projekt „Ich bin Sophie Scholl“. „Hier sehen wir das Element der Immersion“. Die historische Person Sophie Scholl wird mit moderner Technologie ausgestattet und begleitet, ähnlich heutigen Influencer*innen, ihren Alltag in der Nazi-Zeit.

Erschienen: 07.07.2022
Dauer: 00:47:21

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Argument Mining

Gregor Wiedemann und sein Team analysieren große Textmengen mit automatisierten Verfahren. Die Zukunft der Medienforschung?

Was in Inhaltsanalysen einst noch mühsam händisch codiert werden musste, macht Gregor Wiedemann in einem Bruchteil der Zeit. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er Verfahren, die aus riesigen Textkörpern komplexe semantische Strukturen in Form von Argumenten herausfiltern. Argument Mining nennt man diese Technik. Hilfreich, wenn man in großen Textmengen, wie sie uns online begegnen, ganz bestimmte Teile herausgreifen möchte, um sie beispielsweise einer weiteren qualitativen Analyse zu unterziehen. Mit dieser Methode hat Gregor Wiedemann bereits die Debatte rund um Atomenergie in den Online-Artikeln des britischen Guardian untersucht. Aktuell extrahieren er uns sein Team Argumente aus Online-Debatten zu Mindestlohn und der Legalisierung von Marihuana. Mit fortschreitender Digitalisierung werden automatisierte Inhaltsanalysen wie das Argument Mining immer notwendiger, denn im digitalen Raum entstehen fortlaufend neue Texte. Nicht nur auf Social Media oder Online-Nachrichtenportalen: Viele Printprodukte digitalisieren ihre Archive und machen sie damit zugänglich für automatisierte Inhaltsanalysen. Die Menge an erforschbaren Texten wird somit unüberschaubar groß. Händische Inhaltsanalyse passé? Dass die automatisierte Textanalyse den forschenden Menschen je vollständig ersetzten wird, glaubt Gregor Wiedemann nicht. Es werde immer eine Mischung aus analoger und automatisierter Medienforschung geben. Wohin sich die automatisierten Analyseverfahren entwickeln werden, traut er sich nicht zu sagen. „Vor fünf Jahren konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass möglich sein wird, was heute tatsächlich möglich ist. Deswegen wage ich kaum, eine Prognose abzugeben.“ Die Entwicklung ist rasant. Spannend, was noch auf uns zukommt.

Erschienen: 09.06.2022
Dauer: 00:46:21

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Mit Twitterdaten forschen

Seit einem Jahr ermöglicht die Plattform Twitter der Wissenschaft Zugang zu ihrem Archiv. Philipp Kessling sammelt dort riesige Mengen an Daten für seine Forschung. Im BredowCast erklärt er, wie genau er dies macht und wofür überhaupt.

In einem Auswahlverfahren, das genaue Angaben zum Forschungsvorhaben und ein Motivationsschreiben verlangte, mussten sich Philipp Kessling und seine Kolleg*innen bei Twitter um einen „akademischen Zugang“ bewerben. Einmal gewährt, erlaubt dieser das Suchen und Sammeln von Daten im Twitterarchiv, das bis ins Jahr 2006 zurückreicht. Tweetinhalte, Nutzernamen, Datum der jeweiligen Tweets, Likes und Shares können damit gesammelt werden. „Eine komplexe Datenstruktur also, mit der man ziemlich viele, ziemlich interessante Fragestellungen beantworten kann“, sagt Philipp Kessling. AfD löscht Tweets am häufigsten Zum Beispiel diese hier: Wie häufig und wann löschen Politiker*innen ihre Tweets? Dies untersuchte ein HBI-Projekt im Rahmen der Bundestagswahl 2021 und gelangte zum Ergebnis, dass ein deutlicher Anstieg der Tweet-Löschungen nach der Wahl bei fast allen Parteien zu bemerken war. Die meisten Löschungen verzeichnete die AfD. Ein weiteres Projekt hat traurige Aktualität: Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine sammeln Philipp Kessling und sein Kollege Felix Münch Tweets im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Die Daten stellen sie auf einer öffentlich zugänglichen Plattform zur Verfügung. „Ein Service für andere Forscher*innen, die mit diesen Daten forschen wollen, aber den Zugang noch nicht haben.“

Erschienen: 11.05.2022
Dauer: 00:36:27

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Vom Medienjournalismus in die Medienforschung

Als Chefredakteurin des Branchenmagazins "journalist" hat Anna von Garmissen viele Jahre über den Medienbetrieb berichtet. Nun erforscht sie ihn wissenschaftlich. Wie sie den Wechsel von der Praxis in die Forschung erlebt hat, erzählt sie im

„Als Gesellschaft können wir es uns gar nicht leisten, NICHT über die Medienlandschaft zu berichten!“, sagt Anna von Garmissen. Über zwanzig Jahre lang hat sie in vielen namhaften Branchenblätter (journalist, kress, Übermedien, die Medienseiten der Süddeutschen Zeitung) den Journalismus kritisch beobachtet und weiß um  die Notwendigkeit einer kritischen Begleitung von Medienleistungen. Vor allem in der aktuellen Pandemiesituation werde dies deutlich. Die Themen Transparenz und Glaubwürdigkeit etwa seien in der Vergangenheit von vielen Medienhäusern vernachlässigt worden. „Das fällt nun einigen auf die Füße. Sie müssen richtig strampeln, um dies nachzuholen.“ Diese Entwicklungen müsse der Medienjournalismus im Blick haben und ein breites Publikum daran teilhaben lassen. Wechsel in die Forschung Seit April 2021 arbeitet Anna von Garmissen als Forscherin am HBI. Ihre Wurzeln als Medienjournalistin sieht sie als Vorteil. „Ich bringe neue Aspekte mit rein, habe möglicherweise andere Herangehensweisen und natürlich ein entsprechendes Netzwerk innerhalb der Journalist:innen-Blase. Das ist nie verkehrt.“ Eine Herausforderung sieht sie jedoch auch: Durch ihre persönlichen Erfahrungen und ihre Verbundenheit zum Journalismus gehen ihr die Forschungsthemen emotional nahe. In ihrem aktuellen Projekt „Journalismus unter Druck“ erforscht sie aktuelle Bedrohungen für Journalist:innen und wie sie damit umgehen – von Hassmails bis zu körperlichen Angriffen auf Demonstrationen. „Das Thema berührt micht sehr. Wahrscheinlich mehr als so manche Kollegin, die eine größere Distanz zu der Sache hat.“ Brücke zwischen Forschung und Praxis Wünschenswert für Medienjournalismus sowie –forschung wäre, wenn sich die Beziehung der zwei Bereiche intensivieren würden. „Als Medienjournalistin bekommt man oft nur am Rande mit, was in der Forschung gerade passiert. Das ist schade. Wir bräuchten stabilere Brücken.“

Erschienen: 27.01.2022
Dauer: 00:30:46

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Social Media-Nutzung der Kandidierenden zur BTW 2021

PD Dr. Jan-Hinrik Schmidt hat mit einem Team junger Forscher:innen im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 die Social Media-Präsenz aller 6.211 Kandidierenden erhoben.

Ganz ehrlich: Ist es nicht ein bisschen altbacken, den Einsatz von Social Media im Wahlkampf zu erforschen? Nein, sagt Jan-Hinrik Schmidt, denn Soziale Netzwerke verändern sich und damit auch die (politische) Kommunikation auf ihnen. Während beim Bundestagswahlkampf 2009 heute steinzeitlich anmutenden Plattformen wie studiVZ und oder wer-kennt-wen.de zum Einsatz kamen, setzt man nun auf Facebook, Twitter, Instagram und TikTok, auf denen die Kommunikationsgepflogenheiten gänzlich andere sind. Die kontinuierliche Beobachtung der Social Media-Nutzung zur Wahlkampfkommunikation sei wichtig, um langfristige Entwicklungen zu dokumentieren.  Ergebnisse Erhoben wurde bei dieser Studie die Präsenz auf Facebook und Twitter. In künftigen Studien soll der Erhebungsrahmen auf Instagram und TikTok ausgeweitet werden. Die Ergebnisse zeigen: Zwei Drittel aller Kandidierenden zur Bundestagswahl 2021 nutzten Social Media, sie waren entweder Facebook oder Twitter vertreten. Ein Drittel der Kandidierenden nutzt ausschließlich Facebook, etwa fünf Prozent waren ausschließlich auf Twitter atkiv.

Erschienen: 01.12.2021
Dauer: 00:34:06

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